beratungssituation in der Kanzlei mit vier Rechtsanwälten

Neues Beratungsfeld: Kryptowährungen

Kryptowährungen (Currency Token) ziehen mehr und mehr die Aufmerksamkeit von privaten und institutionellen Anlegern auf sich. Paradebeispiel für diese Entwicklung ist der Bitcoin. Verglichen mit heute fristete diese vor ca. 10 Jahren geschaffene „digitale Währung“ noch Ende 2016 zu einem Kurs von unter € 1.000 ein Nischendasein. Nach einer stark volatilen Entwicklung notiert der Bitcoin heute bei über € 13.000 und wird von vielen Analysten in naher Zukunft noch in deutlich höheren Sphären gesehen.

Längst haben auch Fonds in Bitcoin investiert und unzählige Handelsplattformen bieten Interessenten eine vergleichsweise einfache Möglichkeit der direkten oder indirekten Anlage. Letzter großer Schritt in diese Richtung war die Bekanntgabe des führenden US-Zahlungsdienstleisters Paypal, ebenfalls das Halten und Handeln von Bitcoin Ether, Bitcoin Cash und Litecoin anzubieten. Diese noch relativ junge Entwicklung bringt es jedoch mit sich, dass sowohl der Gesetzgeber als auch die Finanzverwaltung die Thematik „Kryptowährungen“ erst seit kurzem (und nur vereinzelt) berücksichtigen, die diesbezüglichen Erfahrungswerte relativ gering sind und die dadurch erwachsende Planungsunsicherheit teilweise groß ist.

Eine Besonderheit von Kryptowährungen ist in dem Mangel an zentraler Kontrolle oder Möglichkeit zur Einflussnahme zu sehen. Durch die Dezentralisierung des Netzwerks und die absolute Gleichstellung aller User (Peer-to-Peer) kontrolliert und bestätigt das Netzwerk selbst sowohl die Wertgutschriften als auch die einzelnen Transaktionen jeweils in aufeinander aufbauenden Blöcken (sog. Blockchain). Das Netzwerk erfüllt auf diese Weise die Funktion eines dezentralisierten Kassenbuchs (sog. Distributed-Ledger Technologie). Jeder User im Netzwerk muss daher grundsätzlich zur Überprüfung der Wertguthaben auf einem Public Key (vergleichbar mit einer Kontonummer) und zur Nachverfolgung von Transaktionen in der Lage sein.

Was auf den ersten Blick nach (abschreckender) Transparenz klingt, verkehrt sich letzten Endes jedoch in Pseudonymität bzw. teilweise sogar in Anonymität. Die Verbindung herzustellen von dem Public Key, dem die Kryptowerte zugewiesen werden, zu ihren Inhabern ist nämlich nur schwer bzw. nicht nachvollziehbar. Dies führt beispielsweise bei Bitcoins zu Pseudonymität, die allenfalls über die Mithilfe einer Handelsplattform, bei der sich der Inhaber identifiziert hat, aufgelöst werden kann. Andere Kryptowährungen garantieren ihren Nutzern sogar Anonymität (sog. Privacy Coins), indem sie beispielsweise für jede einzelne Transaktion sog. Stealth Adressen generieren oder Bündelungen von Transaktionen über sog. Ring Signaturen erfolgen. Prominentes Beispiel ist hier die Kryptowährung Monero, die in der Öffentlichkeit aufgrund ihrer Anonymität ein zweifelhaftes Image erlangt hat.

Sowohl für Privatpersonen als auch für Behörden ist daher kaum nachvollziehbar, welche Personen an einer Transaktion beteiligt sind, insbesondere wer zu welchem Zeitpunkt eine Gutschrift erhalten hat. Diese Problematik wird noch dadurch verstärkt, dass Kryptoguthaben nicht nur innerhalb des Netzwerkes durch zu bestätigende Transaktionen, sondern auch außerhalb des Netzwerks durch eine nicht zu bestätigende Weitergabe ihres sog. Private Keys (vergleichbar mit einer PIN) übertragen werden können. 

Doch selbst wenn ein Kryptoguthaben einer bestimmten Person zugeschrieben werden kann, ist ein etwaig notwendiger Zugriff auf dieses Guthaben ohne Mitwirken des Inhabers unmöglich, wenn (nur) dieser seinen Private Key offline selbst verwaltet (sog. Cold Wallet). Beispielsweise haben Strafverfolgungsbehörden in diesen Fällen praktisch keine Möglichkeit zur Einziehung dieser Kryptoguthaben. Doch auch Erben fehlt in vielen Fällen die Möglichkeit, auf in der Erbmasse befindliche Kryptoguthaben zuzugreifen. Es sind viele Fälle bekannt, in denen Personen ihre teils millionenschweren Kryptoguthaben „mit ins Grab genommen haben“. Solche Kryptoguthaben sind dann unwiederbringlich verloren und können von niemandem mehr genutzt werden. Inhaber von Kryptowährungen sollten (auch) deswegen ihre Nachfolgeplanung möglichst frühzeitig in Angriff nehmen und absichern. Dabei bieten Kryptowerte nicht nur aufgrund ihrer positiven Wertentwicklungstendenz, sondern auch wegen ihrer Fungibilität und vielfältigen Nutzbarkeit eine enorme Attraktivität für die Vermögensübertragung auf die nächste Generation, auch in steuerrechtlicher Hinsicht.

Natürlich besteht die Gefahr, dass einzelne Personen die einer Krypowährung immanenten Freiheiten zur gezielten Begehung von strafbaren Handlungen, insbesondere im Bereich der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung nutzen. Der Gesetzgeber und die Behörden sehen sich hier mit dem Problem des Vollzugsdefizits konfrontiert. Für viele Steuerpflichtige ist der Weg in die Steuerhinterziehung jedoch unmerklich, d.h. der Gesetzesverstoß nicht beabsichtigt, weil sie zum Beispiel die Übertragung eines Kryptoguthabens nicht für schenkungs- oder erbschaftsteuerpflichtig gehalten haben, oder bei dem Verkauf bzw. dem Tausch von Kryptowährungen oder bei einem Bezahlvorgang mit diesen nicht die einkommensteuerlichen Konsequenzen vor Augen hatten. In diesen Fällen kann der Weg zurück zur Steuerehrlichkeit durch eine Selbstanzeige erreicht werden.

Unsere steuerfokussierten Beratungsschwerpunkte im Bereich Kryptowährungen:

  • Strukturierung von Investitionen und Veräußerungen von Kryptowerten.
  • Strukturierung der Übertragung von Kryptowerten zu Lebzeiten und von Todes wegen (digitaler Nachlass).
  • Überführung von Kryptowerten zwischen dem privaten und betrieblichen Bereich.
  • Analyse von Kryptotransaktionen und -aktivitäten (Veräußerungen, Bezahlvorgänge, Handel, Verwaltung u.a.) .
  • Erstellung von Selbstanzeigen in Fällen der Steuerhinterziehung mit Kryptowerten.